Die Bedeutung einer guten Wohnstandart und Umfeld ist eminent wichtig. Das wurde bereits im XIX Jh  von den damals noch wenigen Gegner des kapitalistischen Wirtschaftssystem erkannt. Bei ihren Überlegungen nahm die Gestaltung des täglichen Lebens, die Form des Zusammenlebens, der Ansiedlung und des Wohnens breiten Raum ein. Das ruht daher, dass neben den Arbeitsverhältnissen die Wohnverhältnisse die Menschen physisch und psychisch zerstören. 

 

Robert Owen, der in den 1820er Jahren das ausgearbeitete Konzept einer Siedlungseinheit seines „Utopia“ veröffentlichte, war bis dahin ein erfolgreicher Unternehmer. Er ging davon aus, dass die Menschen durch die Bedingungen, unter denen sie Leben, geprägt werden, war darauf bedacht, diese so auszugestalten, dass die Menschen sich zum Guten hin entwickeln. Die Arbeiter sollten ein wirkliches Zuhause haben, gern zu Hause sein, damit sie nicht in die Kneipen und den Alkoholkonsum ausweichen.3

 

Jetzt auf die Zukunft betrachtet, wenn die Plattenbauten so desolat werden, dass eine Sanierung nicht mehr möglich ist, wenn sie plötzlich vor der Tatsache stehen, dass die Häuser nicht mehr bewohnbahr sind und abgerissen werden müssen, kann zum Sturz in sozialen System führen. 

CCCP Союз Советских Социалистических Республик. (UdSSR)

Im Januar 1918 beginnt Kirgistan die Neuzeit unter der Sowjetunion. Der Übergang von Nomadentum zur sesshaften Ansiedlungen für diesen Zeitraum ist durch einen breiten Bau von Wohnungen charakterisiert. In den ersten Jahren der Kulturrevolution beginnen die ersten Triebe der sozialistischen Architektur. 

 

Der Städtebau entwickelt sich mit dem Bau neuer großer Industrieunternehmen und der Zufluss der ländlichen Bevölkerung in die Städte. Seit den frühen 1960er Jahren nahm ein weit verbreiteter Massenbau zu. Ein wichtiger Schritt im Wohnungsbau war die Einführung von großen Beton - Platten-Konstruktionen. Mit der Produktion der Beton Elemente wurde im Jahr 1962 in Frunze* begonnen.

 

Bereits 6 Jahre später wurde eine Reihe von 9-stöckigen Häuser in der Stadt gebaut. Im Jahre 1985 erreichte die Höhe der Gebäude bis zu 18 Geschosse.1

Aus der Bestimmung der Zentrale Kommission der kommunistische Partei der Sowjetunion und Ministerrat UdSSR : „ Die Entwicklung des Wohnungsbaus in der UdSSR“: In der Staat Sozialismus, wo der Macht der Arbeiter gehört, Anstieg des Lebensstandards und des Wohlstandes der Menschen ist eines der Hauptaufgaben. Für die Kommunistische Partei und die Sowjetische Regierung gibt es kein höheres Ziel als die Sorge um das Wohlergehen und Glück der Menschen, ihre Lebensbedingungen zu verbessern... das hat eine bundesweite wichtige Bedeutung. Das ist eine der wichtigsten Aufgaben der Partei-, Sowjet-, Gewerkschafts-und wirtschaftlichen Organe und des gesamten sowjetischen Volkes. 

 

Die Aufgabe wird erfolgreich zu dem geplanten Zeitpunk durchgeführt und umgesetzt, um die Wohnungsnot im Land zu beseitigen. Für diese Zwecke in den Städten und Gemeinden, Dörfer und Kolchosen durch öffentliche Investitionen und öffentliche Mittel, durch staatliche Kreditschöpfung werden zwischen 1959 - 1965 Häuser errichtet mit einer Gesamtfläche von 650 - 660 mio m2 oder ca. 15 mio Wohnungen, was 2,3 Mal mehr, als in den letzten sieben-Jahres-Plänen gebaut wurde. 

In ländlichen Gebieten mit der Hilfe von Landwirten und ländlichen Intelligenz werden etwa 7 mio Wohnhäuser gebaut. Der Wohnungsbestand in Städten und Gemeinden wird bis zum Ende des  nächsten sieben-Jahres-Plan 1,6 Mal erhöht. Es werden kostengünstige und komfortable Wohnungen für die Ansiedlung von Familien zur Verfügung gestellt. Ziel ist es, jede sowjetische Familie mit einer eigenen Wohnung zu versorgen.

 

Der Staat wird in jeder Weise den Arbeiter mit dem Bau auf die Kosten den persönlichen Ersparnisse eigener Wohnung und Hauses fördern und helfen. Dabei wird die Qualität der verkauften industriell gefertigten Elementen verbessert, aber auch wird bei der Zusammensetzung auf der Baustelle geholfen. Es werden Masssnahmen unternommen um die Ersparrnisse der Bevölkerung für die Entwicklung  der Wohnungsbau zu locken.“

Durch die dynamische Industrialisierung wurden ausserhalb des Stadtzentrums von Bishkek neue Mikroraions mit 5-10 000 Einwohnern in Plattenbauweise aufgestellt.

 

31. August 1991 - Tag der Unabhängikeit Kirgistans.

In dieser Atmosphäre Nischen für ein Heimatgefühl zu finden, fällt, zumindest von Aussen betrachtet, schwer. Als Touristen reagieren wir vor allem auf das Alte und die sozialistischen Monströsitäten, das Skurrile und das Heimelige. 

 

"... die Utopie wie alle anderen Utopien in der Praxis daran scheitern musste, alles regeln und bestimmen zu wollen."

 

Der Hauptstadt Bishkek mit knapp 1 mio. EinwohnerInnen hat eine Zentrumsrolle mit politischen, kuluterellen und wirtschaftlichen Funktionen.  

 

Die Unabhängigkeitsstatus brach neue Wellen mit sich in das Land. Der Staat öffnet sich zur freien Marktwirtschaft. Die jeweils staatliche Betriebe wurden als Aktien an die Mitarbeiter verkauft. Jeder Betrieb verfügte über ein bis mehrere Quartiere - Mikroraions - mit mehrgeschossigen Plattenbauten. Diese Wohnblocks wurden mit der zentrale Heizung-, Warm- und Kaltwasser, zentrale Kanalisation, Strom und Gas erschlossen. Die Wohnungen wurden danach an die Mitarbeiter dieser Betriebe verkauft. Jeder der sich ein komfortables Leben wünschte hat solche Wohnungen bevorzugt. 

 

Die bessere Perspektiven mit der Arbeit und die Ausbildungsziele  locken die Menschen aus dem Land in die Stadt. Die nachfrage nach Mietwohnraum ist extrem angestiegen. Die Mietpreise entsprechen praktisch einem Monatslohn eines Arbeiters. Die Nebenkosten wie Heizung, Warm- und Kaltwasser, Mühlentsorgung werden Pauschalbezahlt. 

 

 

Das Klima ist kontinental. Die typischen Sommerhöchstwerte liegen bei 30 °C die auf 15 °C in der Nacht fallen. Im Winter kann es bis auf -24 °C kalt werden. Die Luft ist trocken und macht diese extreme Temperaturen noch erträglich. Die Frühling- und Herbstzeit sind sehr kurz.  Die Temperaturen steigen rasch an und sinken sehr schnell.

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Bishkek

Die Kosten für Strom und Gas werden mit einem Zähler gerechnet. In der späten Herbstzeit, bis die Heizungszentrale Wärme liefert, werden die Wohnungen mit kleinen Heizkörper geheizt. Da steigt die Rechnung für Strom enorm an. Auch im Fhühling wird die Zentrale Heizung abgestellt und die kleinen Heizkörper werden bereitgestellt. Nebst den Stromkosten für die zusätzliche Heizung im Winter sind auch die Stromkosten für die Kühlung im Sommer dazuzurechnen.  

 

Die Stadt ist in allen Richtungen gewachsen. Die Bevölkerungszahl ist gestiegen. Die jeweils eingerichtete Infrastruktur reicht nicht aus um auch die neue Wohnsiedlungen zu versorgen. Dies führt zu Überbelastungen der Stromtransformatoren. Die letzten zwei Wintersaisons mussten die Stromlieferanten den Strom für 8-14 Studen pro Tag der Bevölkerung ettapiert abstellen. Wären die Häuser isoliert, würde der Stromverbrauch für die (zusätliche) lokale Heizung sinken. 

 

Die Wohnblocks sind und können nicht nach Sonnenstand orientiert aufgestellt werden. Die lage der Häuser sollen Innenhöfe schaffen. "Die Ideologie der freien Form, in denen Gebäude, die auf einer normierten Wohnzelle basieren, in allen möglichen Variationen umeinander herum gewickelt werden... so etwas zu schaffen, wie eine städtische Struktur."

 

Mikrobezirk "Tungutch"

Mein Betrachtungsgebiet ist ein Wohnbezirk (Mikroraion) „Tungutch“, der zwischen 1975-1990 entstanden ist. Alle Wohnungen sind im Typ der Serie 105 erstellt worden. 

    

 

Durch das dichte Wohnen weisen die Plattenbausiedlungen eine grosse urbane Qualität auf. Die soziale Durchmischung vom Zusammenleben mehreren Generationen ist eine der wichtigsten Qualitäten solcher Grosssiedlungen. Quartier mit eigener Infrastruktur wie Schulen, Kindergärten, privat geführten Dienstleistungen sowie Frisseursalons, Internetcafes und Einkaufsläden. Jedoch die heutige Einkaufsläden sind alleinstehende privathingestellte Körper im Innenhöfen.

 

Jede Wohnung ist Privateigentum. Der Abbruch der alten Struktur und Neubau ist daher finanziell und auch juristisch ein kaum gangbarer Weg. 

 

Ich gehe davon aus, dass die Tragstruktur dieser Plattenbauten der -90er Jahren noch im tragfähigen Zustand sind. Es besteht ein dringender Bedarf nach Sanierungsmassnahmen. Ich suche nach einer Lösung wie die Energieverluste durch Balkone, Dächer und Treppenhäuser zu vermeiden sind. Diese Intervention ist auch eine Chance für eine gestalterische Aufwertung.

 

Öffentliche Bereiche, die ausserhalb der eigene Wohnung sind, werden vernachässigt. Das gilt für den Eingang in das Haus und die Treppenhäuser. Im Innenhof sind die Freiflächen mit dürftigen Kinderspielplätzen. Die Autos werden auch in den Innenhöfen parkiert. Die letzten verursachen  vielfach Konfliktsituationen und die Kinder sind gefährdet. 

 

Plattenbauserie 105

Als Beispiel habe ich ein 9-geschossiges Haus,  das im Jahre 1990 gebaut wurde, analysiert und berarbeitet. Es sind vier 4 Zimmer Wohnungen pro Geschoss. Durchschnitlich sind es 4-6 Person pro Haushalt. 

Die Innen- und Aussenwände sind tragende Stahlbetonplatten. Die Platten sind mit Armierungseisen zusammengebunden und die Plattenstösse wurden mit Ortbeton gegossen. Die Konstruktion soll Erdbeben bis Richter Scala 8 bestehen.

 

Ausser die Balkone, WC und Badzimmer ist die Wohnung mit dem Rohlstuhl gut befahrbar. Enspricht jedoch nicht dem europäischen Standarts für behindertengerechtes Wohnen. 

 

Die 105 Serie wurde nach der TP 101-76 „Richtlinien für die Umsetzung einer umfassenden Reihe von Anpassungen der Standard Typus von Wohnhäusern“ entwickelt.

Im Vergleich zu den vorherigen Typen des 9. Fünfjahresplans №111-105-7с sind folgende Verbesserungen pro m2 entstanden:

 

-    Kosten sind um 1.3 Rubl/m2 bzw. 1.2% gesunken

-    Eiseneinsparungen bei 6 kg/m2 bzw. 13%

-    Zementeinsparung 19kg/m2 bzw. 7.2%

-    Arbeitsaufwendigkeit ist auf 0.45Pers./St bzw.

     auf 19.9% reduziert worden

 

Diese Verbesserungen wurden Dank einer Optimierung der konstruktivischen und ingenieurs Lösungen erreicht. 

 

Betonmarke:

Fundamente  M 150

Zwischendecke  M200

Zwischenelemente Füllungen  M250

Aussenwand:  100mm Stahlbeton M200 2400kg/m3

             100mm Keramsitbeton M35  900kg/m3

 

Anwendungsgebiet – III. Klimatische Zone Kirgistans    

Seismik          - 8 Richterscala

Aussentemperatur - Minus 25°C

Schneelast       - 70 kg/m2

Winddruck        - 45 kN/m2

Dauerhaftigkeit  - II

Feuerfestigkeit  - II

Gebäude Klassifizierung  - II

Orientierung          - Breite

 

Autoren:

Arch. Pisarskii E.G. 

Arch. Sedov V.E. 

Ingeneur-Konstrukteur Mozgovoi A.I. 

Ingeneur-Konstrukteur Tevs A.J. 

Ingeneur-Konstrukteur Afonin A.P. 

Gasingeneur Sens S.A. 

Wärmetechnik Litvinova A.A. 

Sanitär Leonova S.P. 

Elektroingenieur Simoilenko S.E. 

Elektroingenieur Karpuk K.M. 

 

 

 

Öffentlicher Bereich

Dem öffentlichen Bereich (Eingang und Treppenhaus) wird in unser Kultur viel zu wenig oder gar keine Aufmerksamkeit gegeben. Der Haupteingang in ein Haus mit 18 Wohnungen unterscheidet sich kaum von einem Nebenraum. Es fehlt die Grösse und die Übersicht beim betreten. Die Bewohner tauchen in diesem Fall ins dunkle, ungewisse und verunsichernde Raumgefüge ein. Meistens ist auch kein Licht vorhanden (Lampenklau). 

Die Post wird bei uns nicht so rege genutzt wie hier in Europa. Auch wenn hin und wieder eine Postkarte angeschickt kommt, wird sie von der Postträgerin direckt in die Wohnung geliefert. Auch sämtliche Rechnungen landen direckt vor jeder Wohnungstür. 

 

Mein Projekt will eine Aufwertung dieser Räume im Bewusstsein der BewohnerInnen erreichen. Das Projekt sieht vor einen lichdurchfluteten grosszügigen Eingangsbereich–Aufenthaltsbereich zu schaffen. Diese Auffenthalsbereich soll Sicherheit, Kollektivbewusstsein, sozialer Begegnungsraum werden. Auch soll ein modernes Schlisssystem den Zugang zum Haus nur noch durch autorisierung erlaubt werden. 

Haupteingang

 

Das neue Foyer wurde um den Trocknungsraum und den nicht genutzten Kehrrichtraum erweitert. Dadurch entsteht ein 32m2 grosses multifunktionales Foyer. Es bietet Platz für ganz verschiedene Aktionen. 

 

Um die Leichtigkeit und die Grösse des Raumes zu betonnen wurde das Treppenzwischenpodest mit einem Ramen an den Deckenunterzug aufgehängt. Der Träger liegt auf seitlichen Stützen, die mit den Wänden eine Einheit bilden. Die Tragstruktur fällt nicht auf und soll dadurch nur leicht in Erscheinung treten. Damit möchte ich die Schwere in diesen schon massiven und monumentalen Bauten vermeiden. 

 

Der Lift wird neu vom Foyuer direckt erschlossen. Wahrscheinlich bedingt dies ein Ersatz für den über 20 jährigen Lift. Dadurch werden die Wohnungen nun wirklich Behinderten gerecht.  

Das Treppenhaus

 

Im Treppenhaus gibt es ein Müllabwurfkanal, der heute ausserbetrieb ist. Neben dem Kanal ist die Dachwasserrinne, die einst Ersetzt wurde. Die rechte Treppenöffnung ist von Anfang an mit dem Rampenelement, wahrscheinlich aus Sicherheitsgründen, geschlossen worden.

 

Mein Projektvorschlag sieht vor den Treppenhaus neu zu gestalten. Dadurch das der Dachwasserablauf- und das Kehrrichtfallrohr aus dem Treppenhaus entfernt werden (siehe Fotomontage), entsteht ein befreiter Raum für individuelle Nutzung. 

Eingriffe am Bestand

An den Gebäuden sind eine Vielzahl von lokalen, immer wiederkehrenden Schäden festzustellen. Dies sind aufgrund der in der Vergangenheit oft mangelhaften Ausführungsqualität und der nur unzureichend durchgeführten Erhaltungs- und Sanierungsmassnahmen zuzuschreiben.

 

Im Sommer drängt die Hitze über ungedämmte graue Betonwände direckt in die Wohnungen. Selbst die dunkelgraue Farbe dieser Wände aussen ist ungünstig in den heissen Sonnentagen. Besonders unbeliebt sind die Wohnungen an den Stirnseiten, Obersten- und Unterstenwohnungen. Sie sind im Sommer zu heiss und im Winter zu kalt.

 

Wärmebrücken. Elementfugen, Fensteranschläge, durchgehende Balkonböden und die Gebäudekanten bzw.-abschlüsse stellen die wesentlichen Wärmebrücken dar.

 

Die Gebäudehülle habe ich durchgehend mit einem U-Wert von <0,2 Watt/m2K ausgestattet. Sie erscheint zum Teil verputzt, dass die Massivität untermauert und auch die Struktur erahnen lässt. Die neuen Elemente heben sich von dieser Masse  ab, in dem sie als Leichtbau gefertigt, das auch kommunizieren. Die filigrane Oberflächenstruktur der neuen Elemente im Zusammenwirken mit der neuen Fensterrasterungen ergibt eine wohltuende horizontale Ausrichtung. 

 

Privat Bereich

Die Balkone weisen einen der schwächsten Teil im ganzen Haus in Plattenbauweise auf. Die Böden sind durchgehend. Diese, zusammen mit den Befestigungsankern, leiten die Wärme vom Haus nach Aussen ab. Die Originalpläne sahen keine Verglasung vor. Jedoch die kleine Fläche (1.2m in der Tiefe) der Balkone werden nicht als offene Aufenthaltsmöglichkeit genutz. 

 

Die Küchen- und Wohnzimmerbalkone haben wenig effektiv Nutzen. Meistens sind die als Abstellflächen, oder nach der Verglasung, auch als Küchen- und Wohnzimmererweiterung benutzt.

 

Im Erdgeschoss und 1. Obergeschoss werden Balkone mit Metallgitter (wegen Einbruchgefahren) ausgerüstet. Dies wird in der Zukunft (Projektvorschlag) mit Sonnenstoren gewährleistet.

"...Selbst dort, wo die ruhige Struktur nicht variiert wurde, liefert das Raster in geradezu dienender Qualität den Rahmen für individuellen Ausdruck. Verschiedenfarbig gestrichene, persönlich gestaltete oder zu Zimmer umgebaute Balkons verwandeln die Hochhausfassaden in Setzkästen für Erzählungen. Und die Qualität der Sonderbauten leidet häufig mehr unter dem Schmutz und den Materialmängeln, denn an gestalterischer Einfallslosigkeit..."

 

Der Balkon

Die Balkondecken bleiben bestehend.Seitliche und frontale Paneele werden entfernt.

 

Bevor der neue vorgefertigte Deckenkonstruktion kommt, werden an die bestehenden Decken neue Armierungseisen genügend rausstehend eingesetzt. 

 

Der neue Deckenteil wird vorgefertigt an die Baustelle gebracht. Vor Ort wird der Beton über dem Trapezblech und Armierungseisen gegossen. 

 

Die Tragstruktur ist innenliegend im Warmbereich. Die Stahlstützen werden geschossweise vor Ort erstellt und mit Beton ausgefüllt. 

 

Die Balkonarbeiten können nur im aussenbereich ausgeführt werden. Ich möchte auf die Interventionen in den Wohnungen mit der Deckenverstärkung mit Lamellen verzichten. Was wiederum die Bewohner während der Bauzeit weniger belastet.

Die Plattenbauten, die ganz in der Manier von Le Corbusier geprägt wurden, haben auch zu kleine Küchen (6m2). Anstelle der drei Balkone mit der 1.2m Tiefe sehe ich vor einen lebensqualitätverbessernden beheizten Multifunktionsraum anzugliedern. Es wird ein selbsttragende, thermisch getrennte, verglaste Vorbau. Mit diesem grossen Raum wird die Küche um 2.5m in der Tiefe erweitert und mit dem Wohnzimmer verbunden.

 

Während der Ausführungsplanung kann jeder Wohnungsbesitzer die Fensterfront selber bestimmen. Sie werden weiterhin die Möglichkeit haben den neuen grossen Raum individuell zu gestalten. Um genügenden Lichteinfall in die Wohnung zu gewährleisten, muss eine einzige Rahmenbedingung aufgeklärt werden, dass es nicht mehr als 1/5 der Fensterfront geschlossen werden darf.  

Die Kinderzimmer sind recht hell, die Elternzimmer sind relativ dunkel durch die vorgelagerten Balkone, so das wenig Licht in die Räume selbst eindringen kann. Die verzierten Balkonplatten mit ornamentalen Schlitzen machen auch die Verglasung nicht einfach, d.h. sind zusätzliche Kosten für Spezialanvertigungen. 

 

Aufgrund des fehlenden Kellerraums werden die Schlafzimmerbalkone als Abstellraum benutzt (Abb.28). Möchten die Bewohner tatsächlich in dieser Atmosphäre einschlafen und den Tag beginnen? 

 

Im Projekt wird das Untergeschoss als Kellerräume aktiviert. Den Bedarf nach einen Abstellraum wäre dadruch gelöst. Mein Vorschlag ist die Schlafzimmerseite ohne Balkone auszubilden. Die durchgehende Balkondecken werden abgeschnitten um die Wärmebrücken zu vermeiden. Dies schafft auch, dass die Elternschlafzimmer lichtdurchfluteter werden.

 

Im Schlafzimmern sind die Fenster heute meistens Einfachverglast. Einige Fenster wurden bereits in Doppel- oder Isolierverglasung erneuert. Stoffvorhang, Jalousie aus Kunsstoff sind die innenliegende Sonnenschutzmittel heute. 

 

Als eine Sanierungsmassnahme sehe ich als erste Priorität Fensteraustausch auf Isolierverglasung mit guten Fensterrahmen und kompletten Fenstereinfassungen. Der Sonnenschutz wird aussenliegend angeordnet. 

 

 

Die bereits gewechselten Fenstern können weiterhin so belassen werden. Die Balkontüren sind nach innen öffnenbar.  

Abgeleitet von heutigen strukturierten Balkonpaneelen entsteht ein Geländerelement mit der änlichen Struktur. Dies ist als ein vorgefertigter Betonelement aus Stahlbeton vorgesehen.

 

Wärmebrücken

An den Gebäuden sind eine Vielzahl von lokalen, immer wiederkehrenden Schäden festzustellen. Dies sind aufgrund der in der Vergangenheit oft mangelhaften Ausführungsqualität und der nur unzureichend durchgeführten Erhaltungs- und Sanierungsmassnahmen zuzuschreiben.

 

Im Sommer drängt die Hitze über ungedämmte graue Betonwände direckt in die Wohnungen. Selbst die dunkelgraue Farbe dieser Wände aussen ist ungünstig in den heissen Sonnentagen. Besonders unbeliebt sind die Wohnungen an den Stirnseiten, Obersten- und Unterstenwohnungen. Sie sind im Sommer zu heiss und im Winter zu kalt.

 

Wärmebrücken. Elementfugen, Fensteranschläge, durchgehende Balkonböden und die Gebäudekanten bzw.-abschlüsse stellen die wesentlichen Wärmebrücken dar.

 

Die Gebäudehülle habe ich durchgehend mit einem U-Wert von <0,2 Watt/m2K ausgestattet. Sie erscheint zum Teil verputzt, dass die Massivität untermauert und auch die Struktur erahnen lässt. Die neuen Elemente heben sich von dieser Masse  ab, in dem sie als Leichtbau gefertigt, das auch kommunizieren. Die filigrane Oberflächenstruktur der neuen Elemente im Zusammenwirken mit der neuen Fensterrasterungen ergibt eine wohltuende horizontale Ausrichtung. 

 

Innenhof und Parkplätze

 

Auf dem Bild von heute (Abb.29) sieht man wie die eigentlichen Wege im Innenhof verlaufen. Das sind die schnellsten Wege zur Schule, zum Kindergarten und zum Einkaufen, die ganz anders sind als sie nach Plan ortogonal ausgeführt waren. 

Entlang der Innenhofstrasse auch direckt vor dem Eingang werden Autos Parkiert. So werden die Kinderspielplätze im heutigen Innenhof einerseits von durchkreuzten Wegen gedrängt und das Kind riskiert von Autos überfahren zu werden. Somit sind die Konfliktsituationen schon vorpragrammiert. 

 

Mein Vorschlag ist aussenliegende Parkplätze zu erstellen, um die präkeren Parksituation zu entschärfen. Der Einfahrt in den Hof wird mit Pollern verhindert. Feuerwehr, Krankenwagen und Lastwagen zum Zügeln können einfahren. Pollern höhe wird auf LKW Durchfahrts Niveau angepasst.  

 

Der Innenhof wird neu gestaltet, in dem die effektiven Gehrouten ausgebaut werden. Die vorhandenen Pappeln werden so gut als möglich in das Projekt integriert. Dadurch gewinnt man mehr Lebensqualität in diesem zukünftig lebenswerten Innenhof.

 

Infrastruktur

 

Lift. Es ist zu prüfen, ob der Lift die Nutzungsdauer noch nicht überschritten hat. Im Projekt wird der Lift ebenerdig begehbar sein.

 

Wärme. Die Wärmeübertragungsstation in UG ist überdimensioniert und unisoliert. Bei der Sanierung sind diese zu isolieren und den Sicherheitsanforderungen anzupassen. Zudem soll neu eine Wärmezählungseinrichtung installiert werden, so dass individuelle Heizabrechnung wenigstens pro Haus (besser Wohnungsweise) ermöglicht wird. Neu soll auch die Vorlauftemperatur regelbar werden. 

Die Heizradiatoren in den Wohnungen werden mit Thermostaten (ev. Verbrauchsmessern) ausgestattet. Da die Gebäudehülle thermisch saniert wird rechnen wir mit min. mit 50 - 70% Heizleistungeinsparung. 

 

Lüftung. Die bestehende Lüftungskamine, die Bad, WC und Küche entlüften, sind überdimensioniert und mit offenen Lüftungsschlitze saugen Lüft auf unkontrollierte Weise. Das führt zur unverhältnissmässigen Wärmeverlusten. Zudem stellen diese eine enorme Schal- und Geruchsübertragung dar. Ein neues Lösungskonzept ist zu erarbeiten. 

 

Elektrisch und Gas. Die Gaskochanlagen mit individueller Zählung kann meineserachtens so belassen werden. Auch die Stromnutzung wird heutzutage individuell abgerechnet und kann so belassen werden. Telefon und Internet sind auch den heutigen Zeit angepasst. Es soll auch eine zentrale Sonnerie mit Tüöffner eingebaut werden. 

 

Kalt- und Warmwasser. Der Verbrauch wird leider nicht individuell erfasst und nur mit einer Pauschalen abgegolten. Zu prüfen ist individuelle Messung und Abrechnung des Wasserverbrauchs. Dank den grossen Globalstralungen und Nebellosigkeit in Kirgistan drängen sich solare Warmwasserbereitung gerade zu auf.  

 

Dachwasser. Heutzutage wird das Dachwasser im Treppenhaus abgeführt. Neu muss es durch die aussenliegende Dachrinne an den Stirnfassaden abgeführt werden.

 

Finanzierung

 

- Eigene Finanzmitteln der Wohnbesitzer. Die zwingende Sanierungsmassnahmen „heute und jetzt“ sind für den Erhalt der Grundsubstanz „für morgen“ sehr enscheidend. Daran sollen die Wohnungsbesitzer interessiert sein ihr Vermögen langfristig zu sichern. 

 

- Langfristige Kredite. Die Heiz- und Stromrechnungen werden weiterhin pauschal bezahlt. Diese Zahlungen fliessen in ein Fond, der die Kredite deckt und ammortisiert. 

 

- Staatliches Förderprogramm. Es soll auch ein Staatsinteresse sein, die Plattenbausiedlung zu sanieren. So wird sie die jährliche Versorgungsproblemme mit dem Strom und Heizung Einhalt geboten werden.  

 

- Gelder vom Verkauf von CO2 Zertifikaten. Abklären welche Energiemix in der zentralen Heizungsanlage eingesetz wird und was daraus für Einnahmen enstehen können. 

 

- Selbstfinanzierung der Gemeinschaftsräumen.  Diese können vermietet und gemietet werden. Die Gemeinschaft verwaltet das Geld und verwendet für die Gemeinnutzung.

 
 

Literatur

Till Briegleb „Der schmutzige Zauber des Scheiterns“ für die abgebildeten Werke von Roman Bezjak „SOZIALIST MODERNISM“. 

2011. ISBN 978-3-7757-3188-1

 

Martin Damus. „Architekturform und Gesellschaftsform“ Architetkur und Städtebau undter dem Einfluss von Industrialisierung, Grossvergesellschaftung und Globalisierung. 1. Band 1890-1945. 

Berlin: Gebr. Mann Verlag,

2010. ISBN 978-3-7861-2619-5 

 

H. Kalleja, D. Flämig PLATTENBAUSANIERUNG

Insatndsetzung, städtebauliche Entwicklung und Finanzierung. 

Berlin: Springer Verlag,

1999. ISBN 3-540-64820-8

 

Architectural Association, No 59,

Printed in England by Beacon Press 

2009. ISBN 978-1-902902-76-0

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